1787 – 1908

Die früheste Nachricht über archäologische Ausgrabungen am bayerischen Untermain ist mit der Gemarkung Pflaumheim verbunden. Schon 1787 wurden durch »Jäger« des Grafen Franz zu Erbach Erbach mehrere Grabhügel geöffnet, wobei einige Urnen gefunden wurden. Dies wurde durch die Beobachtungen eines Kuhhirten bekannt und durch den Landeigner, das Aschaffenburger Viezedomamt zur Anzeige gebracht, das Anspruch auf die Funde erhob. Die beiden Jäger wurden steckbrieflich gesucht und durch den Pflaumheimer Landschöffen polizeilich vernommen. Die Funde konnten allerdings nicht mehr sichergestellt werden, und auch in der gräflichen Sammlung im Schlossmuseum in Erbach sind sie nicht mehr, auszuscheiden.

Die Ermittlungen lieferten aber eine genaue Beschreibung der Fundstätte, an der der Landschöffe nun eine Nachgrabung unternahm. Aufgrund der genauen Beschreibung der Fundumstände und Funde, Urnen und auch Scherben mit römischen Inschriften kann man daraus folgern, dass die vorgeschichtlichen Grabhügel offensichtlich auch von römischen Nachbestattungen belegt worden waren.

Die Grabhügel waren schon von den Nachfahren der ersten steinzeitlichen Bauern zur Bestattung der Verstorbenen angelegt worden. Aus einem solchen Fundzusammenhang stammt vermutlich auch eine steinerne Streitaxt, die schon im ältesten erhaltenen Inventar des Aschaffenburger Museums von 1880 mit dem Fundort Pflaumheim verzeichnet ist. Eine Reihe weiterer steinzeitlicher Funde stammt von verschiedenen vorgeschichtlichen Siedelstellen im Tal des Pflaumbaches.

An den Grabhügeln in den Waldungen nahe Pflaumheim betätigte sich 1897/98 trotz Grabungsverbotes auch der Kommerzienrat Lang aus Würzburg. Seine zahlreichen Grabfunde der Urnenfelder und Hallstattzeit aus über 25 Grabhügeln gelangten nach Würzburg. Der reiche Trachtschmuck einer Frau der späten Bronzezeit der sich heute im Mainfränkischen Museum in Würzburg befindet stammt aus einer von ihm 1902 geborgenen Grabhügelbestattung.

Damals setzte Prof. Georg Hock, der noch Assistent am Martin von Wagner Museum in Würzburg war, die Ausgrabungen an den durchwühlten Grabhügeln im Pflaumheimer Gemeindewald fortsetzte. Mit der Gründung des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege gelang es Hock dann 1908 als Leiter der Zweigstelle Franken, die privaten Grabungen im Pflaumheimer Gebiet zu unterbinden.

1911 - 1942

1911/12 begann mit dem Bau der Eisenbahnlinie von Aschaffenburg nach Höchst im Odenwald eine neue Phase archäologischer Entdeckungen. Der Darmstädter Privatforscher Elmar Freiherr von Haxthausen verfolgte die Anlage der Bahntrasse aufmerksam und konnte in seinen begleitenden Grabungen aus zahlreichen »Wohngruben«, Keramik und Steingeräte der Linearbandkeramik und der mittelneolithischen Rössener Kultur bergen. Seine zahlreichen Funde verkaufte er später an die Prähistorische Staatssammlung in München.

Töpfe Durch den Aschaffenburger Gymnasialprofessor Müller und die Gebrüder Sebastian und Karl Hock aus Pflaumheim wurden Im Auftrag des Bayerischen Landesamtes am Pflaumheimer Bahnhofs Ausgrabungen durchgeführt. Die hier gefundene steinzeitliche Siedlungskeramik, und Keramik der Hallstatt- und Latenezeit gelangte in das Mainfränkische Museum in Würzburg.

Die Arbeiten an der Bahntrasse förderten aus der dadurch berührten Flur Sandkaute zwei Bestattungen zu Tage. Eine davon enthielt eine reiche Waffenausstattung. Die Gemeindesandgrube, aus der schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts frühmittelalterliche Skelettbestattungen und Funde geborgen worden, sollte für die nächsten Jahrzehnte nun der wichtigste archäologische Fundplatz in Pflaumheim werden.

Die Arbeiten an der Bahntrasse förderten aus der dadurch berührten Flur Sandkaute zwei Bestattungen zu Tage. Eine davon enthielt eine reiche Waffenausstattung. Die Gemeindesandgrube, aus der schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts frühmittelalterliche Skelettbestattungen und Funde geborgen worden, sollte für die nächsten Jahrzehnte nun der wichtigste archäologische Fundplatz in Pflaumheim werden.

Zwei weitere Gräber wurden von den Gebrüdern Hock dann 1930 ausgegraben, die aber, soweit bekannt, nur Keramik und Perlenketten als Beigaben enthielten. Aus den bis dahin gewonnenen Erkenntnissen schloss der unterfränkische Denkmalpfleger Georg Hock auf ein ausgedehntes frühmittelalterliches Reihengräberfeld.

Grabbeigaben wie Eisenwaffen, Perlenketten oder Keramik stürzten in den folgenden Jahren immer wieder beim Sandabbau aus der Abbauwand der Sandgrube. Diese wurden meist von den Gebrüdern Hock zwischen 1938 und 1942 im Auftrag des Landesamtes geborgen und nach Würzburg gebracht.

1952 - 1960

1952 wurde bei Bauarbeiten hinter der Kirche ein frühmittelalterliches Waffengrab des 7. Jahrhunderts entdeckt. Dieses Grab und reiche Frauenbestattung aus der Wenigumstädter Straße blieben aber damit die einzigen Indizien für einen auf Pflaumheim zu beziehenden frühmittelalterlichen Ortsfriedhof in der Nähe der Kirche.

In der Sandkaute riss die Flut der Funde jedoch nicht ab. Eine besonders stempelverzierte Lanzenspitze wurde 1952 aufgelesen, und 1953 und 1957 wurden dann von Lehrer Trautmann aus Radheim mehrere Streufunde und sieben Gräber geborgen, unter denen sich auch eine Pferdebestattung befand.

Tierkopffibel1957 wurden beim abbaggern eines 2 m hohen, 90 m langen und 20 m breiten Löß in der Gemeindesandgrube, eine unbekannte Anzahl von Gräbern unbeobachtet zerstört. Einwohnern berichteten von große Mengen Knochen, Keramikbruch und auch Metallobjekte die sich auf der Abraumhalde befanden, aber nicht eingeliefert wurden.

Im Frühjahr 1958 fand der Gemeindearbeiter Klug eine silbervergoldete Tierkopffibel mit Almandineinlage und berichtete von weiteren »schönen Fundstücken«, die der damalige Grubenaufseher bei gleicher Gelegenheit von derselben Fundstelle mitgenommen hatte. Eine Nachfrage nach den Objekten durch das Museum Aschaffenburg blieb aber ergebnislos.

Ebenfalls im Frühjahr 1958 wurden dem Amsterdamer Geologieprofessor J.P. Bakker, der eine Exkursion an den Untermain unternahm, beim der Pflaumheimer Sandgrube vom Grubenaufseher mehrere qualitätvolle frühmittelalterliche Schmuckstücke gezeigt und zum Kauf angeboten. Prof. Bakker erwarb die Stücke und übergab sie in Amsterdam seinem Sohn I.A. Bakker, der zu dieser Zeit Assistent am Lehrstuhl für Vor und Frühgeschichte der Universität Amsterdam war.

Robert Koch stellte fest, dass die Funde in Amsterdam zweifelsfrei zum selben reichen Frauengrab gehörten, aus dem auch die Tierkopffibel stammte. Dem Aschaffenburger Museumsleiter Dr. Ernst Schneider gelang es dann unter Vermittlung der Universität München und auch des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, das der Pflaumheimer Funde aus Amsterdam in die Aschaffenburger Museen zurück kehrte. Eine noch 1960 eingeleitete Suchgrabung von Robert Koch barg die Reste der Beigaben dieses reichen Frauengrabes.

1969 - 1970

Die Ausgräber des Museums Aschaffenburg begannen 1969 mit einer erneuten Untersuchung, da die Gemeinde Pflaumheim die inzwischen stillgelegte Sandgrube auffüllen wollte. Es sollte geklärt werden, ob sich im angrenzenden, zum Teil schon Umgewühlten Areal noch weitere Gräber des größtenteils unbeobachtet zerstörten Friedhofes befänden. Die Ausgrabungen dauerten bis 1970 an und legten als Rest eines ursprünglich wohl über 300 Grablegen zählenden frühmittelalterlichen fränkischen Reihengräberfeldes noch 23 Gräber frei. Doch fast alle diese 23 Gräber waren aber antik beraubt worden.

Bei den reichen Frauenbestattungen zielt der Raubtrichter immer auf den Oberkörperbereich, wo wertvoller Schmuck wie z.B. Fibeln aus Edelmetall enthalten waren. Bei den reichen Männergräbern galt das Interesse der Grabräuber ausschließlich den Schwertern. Besonders die wertvollen Spathen - zweischneidige Langschwerter, aber auch für die Saxe - einschneidige Hiebschwerter wurden trotz starker Verrostung aus nahezu allen Bestattungen entfernt.

Ein Grab in Pflaumheim allerdings blieb von der Beraubung verschont, und es verwundert zunächst, daß es sich dabei um das am reichsten ausgestattete Frauengrab handelt. Neben der filigranverzierten Goldscheibenfibel mit Glas und Perlmutteinlagen und der silbervergoldeten Bügelfibel mit Almandineinlagen und Tierkopfende enthielt das Grab als Beigabe aber auch eine kugelige Amulettkapsel aus Bronzeblech. Dieses Detail weist die Bestattete als eine frühe Christin aus. Angesichts der ansonsten nachweisbaren Sachkenntnis der Grabräuber über Lage und Inhalt der Gräber könnte darin der Grund für die Nichtberaubung gerade dieses Grabes gesehen werden.