Um 1400 hatte Pflaumheim schon eine kleine Kirche. Sie
war im gotischen Stil gehalten und nach Nordosten gewandt. Der Altar stand
unter dem wuchtigen Turm. Offenbar wurde damals schon die heilige Luzia
als Patronin verehrt, denn in dem Turm hing eine der heiligen Luzia geweihten
Glocke mit der Jahreszahl 1440. Die kleine Glocke hängt heute im
Leichenhaus. Der frühere Kirchenpatron war jedoch der heilige Georg,
was auf ein Bestehen des Ortes in karolingischer Zeit hinweist. Ein kleines
Gotteshaus kann also schon Jahrhunderte zuvor bestanden haben.
Die
Pflaumheimer mussten aber nach Großostheim zum Gottesdienst. Es
gab an der Südostseite der Großostheimer Martinskirche sogar
ein »Pläumer Törchen«, durch das unsere Vorfahren
in die Kirche eintraten. Die Großostheimer Kirche wurde mit der
Zeit immer enger, und es kam insbesondere unter den jungen Leuten zu Reibereien.
In Pflaumheim wurden nur sehr wenige Gottesdienste gehalten. Um 1633
waren es etwa 35 heilige Messen im Jahr und dies nur an Werktagen. An
Sonn und Feiertagen mussten die Pflaumheimer Christen in die Mutterkirche
nach Großostheim. Das war beschwerlich, und so drängten die
Pflaumheimer um 1700 das erzbischöfliche Ordinariat in Mainz, einen
Kaplan nach Großostheim zu schicken, der dann in Pflaumheim den
Sonntagsgottesdienst halten könnte. Der Großostheimer Pfarrer
lehnte jedoch ab, weil er nicht in der Lage sei, einen Kaplan zu bezahlen.
Die Pflaumheimer aber ließen nicht locker, und so kam es bei einer
Visitation des erzbischöflichen Kommissärs Büchel, am 17.
Oktober 1726 im Großostheimer Pfarrhaus, zu einem Vertrag zwischen
dem Großostheimer Pfarrer Johann Peter Degeneve und der Gemeinde
Pflaumheim, vertreten durch den damaligen Landschöffen und Steinmetzmeister
Johann Schuler sowie weiteren Personen des Ortsgerichtes. Es wurde vereinbart,
daß in Pflaumheim an Sonn- und Feiertagen ein Gottesdienst mit Predigt
oder Christenlehre zu halten ist. In der Woche nach Fronleichnam wird
eine Prozession mit dem Allerheiligsten durch ein »bequämes«
Gebiet der Gemeinde veranstaltet. In der österlichen Zeit ist in
Pflaumheim ein Beichttag durchzuführen und die Kommunion zu spenden.
An Kirchweih ist jedoch nur eine »stille« Frühmesse.
Danach müssen die Pflaumheimer nach Großostheim, um ihre Pfarrkirche
anzuerkennen.
Die
Gemeinde verpflichtete sich, neben den bisherigen Abgaben an den Pfarrer
von Großostheim jährlich 15 Gulden zu zahlen. Außerdem
erhält der Pfarrer eine bestimmte Menge Holz frei Hof geliefert und
darf so viele Schweine wie ein Pflaumheimer Gerichtsmann umsonst auf die
Bucheckern- und Eichelnweide schicken.
Noch im gleichen Jahr wurde Großostheim ein Kaplan zugestanden.
Mit den Jahren wollten die Pflaumheimer Christen durchsetzen, dass der
Kaplan die sonntägliche Nachmittagsandacht hält, die bislang
der Lehrer gehalten hatte. Die Mainzer lehnten dies im Jahr 1803 noch
ab. Als aber zwischenzeitlich der Bachgau zur Diözese Würzburg
gekommen war, musste der Kaplan ab 1832 auch die Andacht in Pflaumheim
halten.
Was in unserer Generation kaum noch geschätzt wird, war demnach
für unsere Vorfahren sehr von Bedeutung und wurde hartnäckig
erkämpft.
Schon längst aber war die Kirche zu klein geworden. Pflaumheim zählte
um die 500 Einwohner. So ging man 1773/74 daran, sie unter der Leitung
von Baumeister Vill aus Klingenberg zu erweitern. Bis auf den Turm wurde
die alte Kirche abgebrochen und das Kirchenschiff' in Richtung Südosten
angebaut. Das Hauptportal wurde unter dem Turm an der Nordwestseite angelegt.
Der Chor, wie auch das Portal, sind noch erhalten. Der Chorraum ist heute
Taufkapelle. Die Kirche war im Barockstil ausgestaltet. Die noch heute
in unserer Kirche stehenden Seitenaltäre und die schöne Rokokokanzel
sowie die von Pfarrer Helbig wieder hervorgeholte Kommunionbank stammen
aus dieser Kirche. Die Gemeinde nahm zur Finanzierung des Kirchenbaues
einen großen Holzverkauf vor. Der Holzaufkäufer, ein Schiffsmann
aus Obernburg, ging allerdings in Konkurs, so dass der Geldeingang schwierig
geworden war. Die Gemeinde lieh Geld bei den Dominikanern in Frankfurt
und bei Geldleuten in Mainz.
Schon 1736 wurde eine Orgel von dem Dieburger Orgelbauer Peter Uchtenkirch
beschafft, nachdem das einfache »Regal« für die vom Kaplan
gehaltenen Sonntagsgottesdienste ungenügend war. Trotzdem wurde schon
1774 der Großostheimer Orgelmacher Konrad Zahn mit dem Bau einer
Orgel beauftragt. Er bekam 200 Gulden ausbezahlt.
Bald wurde auch diese Kirche wieder zu klein. Im Jahr 1805, die Einwohnerzahl
war auf 650 angestiegen, wurde eine zweite Empore gebaut. Man verkaufte
sogar die erst 30 Jahre alte Orgel, weil sie zuviel Platz beanspruchte.
Orgelbauer Zahn aus Großostheim baute eine neue, diesmal für
805 Gulden. Noch im gleichen Jahrhundert befassten sich die Pflaumheimer
erneut mit Plänen für eine Kirchenerweiterung. 1891 wurde ein
Kirchenbauverein gegründet. Mit monatlichen Beiträgen von 10
Pfennigen und durch Spenden wollte man das Kapital für den Bau sammeln,
daneben befasste man sich auch mit der Planung.
Die Vorstellungen blühten und es gab widersprüchliche Meinungen,
die dem Kirchenbauverein überhaupt nicht dienlich waren. In all den
Jahren wurde fleißig gesammelt. Man führte zu Erntedank der
Jahre 1900 und 1901 jeweils von der Regierung genehmigte Haussammlungen
durch, man verschickte Bittbriefe um Spenden, und dies sogar an den Landtag
nach München. Von dort kamen auch 600 Mark, verteilt auf zwei Jahre.
Ein Bittbrief ging darüber hinaus an den König um Genehmigung
für eine Landeskollekte. Es ist allerdings nicht bekannt, ob es zu
dieser Kollekte gekommen ist.
Ab dem Jahr 1905 kam neue Bewegung auf, es kam zu Debatten, ob ganz neu
gebaut oder die Kirche erweitert werden soll, wobei zwei Drittel der Pfarrgemeinde
für einen Neubau stimmten.
Der
Kassier des Kirchenbauvereins und Bürgermeister Augustin Rachor setzte
jedoch die Erweiterung nach den Plänen der Architekten Becker und
Scholl durch. Becker war inzwischen Dombaumeister und Professor in Mainz
geworden. Der Großostheimer Pfarrer Martin setzte sich ebenfalls
mit ganzer Kraft für den Kirchenbau ein, und auch die Bürger
waren jetzt mit Mehrheit für den Plan von Professor Becker. Aber
es gab auch eine Opposition, zu der auch die Gemeindeverwaltung gehörte.
Das Landbauamt machte in seinem Genehmigungsbescheid die kritische Anmerkung,
das Objekt sei in seiner »architektonischen Gestaltung eigentlich
zu opulent und passt eher in eine Stadt als aufs Land«.
Der Kirchenbauverein hatte inzwischen 71000 Mark beisammen, es fehlten
aber noch 23 000 Mark. Nachdem die Gemeinde einen Zuschuss ablehnte, leisteten
61 Kirchengemeindemitglieder eine Bürgschaft für 49100 Mark.
Am 11. März 1914 wurde endlich die baupolizeiliche Genehmigung erteilt.
Es ging mit dem Bau sofort los, und bereits am 26. April wurde der Grundstein
gelegt.
Die Planung für den Erweiterungsbau sah vor, die alte Kirche größtenteils
stehen zu lassen und an ihrer südwestlichen Langseite das Schiff
der neuen Kirche mit dem Chor nach Südwesten anzubauen. Gerade war
der Dachstuhl aufgeschlagen und die Ziegeln gedeckt, da brach der erste
Weltkrieg aus. Wäre es damals zu einer weiteren Verzögerung
gekommen, hätte der Krieg die Baumaßnahme verhindert und das
ersparte Kapital wäre durch die Inflation verzehrt worden.
Auch während des Krieges wurde der Innenausbau so gut wie möglich
fortgesetzt. Noch im Rohbau wollte Pfarrer Martin im Sommer 1915 das Gotteshaus
einweihen lassen. Die Pflaumheimer ließen dies aber nicht zu, weil
so viele Männer im Krieg waren. Dies wurde noch im September 1919
mit gleicher Begründung abgelehnt.
Am 12. Oktober 1920 war es dann endlich soweit, und der Bamberger Erzbischof
Jacobus von Hauck weihte in Vertretung des erkrankten Würzburger
Bischofs Ferdinand von Schlör die Kirche ein. Es war ein großer
Festtag für die ganze Gemeinde.
Immer noch Filiale oder Kaplanei von Großostheim, strebte Pflaumheim,
inzwischen 1200 Einwohner zählend, die selbständige Pfarrei
an. 1923 wurde noch das Pfarrhaus gebaut, und im gleichen Jahr wurde Pflaumheim
zur Pfarrei erhoben. Der erste Pfarrer war Anton Bieber, bisher Benefiziat
in Großostheim und zuständig für Pflaumheim. 1930 wurde
der 23 Meter hohe alte Kirchturm auf 36 Meter erhöht und mit der
charakteristischen Kuppel versehen. Noch im gleichen Jahr kam das erste
vierstimmige Geläute auf den Turm.
Gerade noch vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde eine neue Orgel
bestellt, die von der Orgelbau-Firma Johannes Klais aus Bonn gebaut wurde.
Mitten im Krieg, 1942, mussten die erst 13 Jahre alten Glocken abgeliefert
werden. Nur das Luziaglöckchen konnte wegen seines Alters (gegossen
1440) bleiben. Dank der Initiative von Pfarrer Anton Bieber konnte nach
dem Krieg schon 1949 ein neues Geläute angeschafft werden. Bei der
bischöflichen Visitation weihte Bischof Julius Döpfner am 05.
.Bali 1949 die neuen Glocken.
1952 verstarb Pfarrer Bieber im Alter von 65 Jahren. Nachfolger wurde
Pfarrer Karl-Josef Barthels, er ging 1065 nach Maßbach. In seiner
Zeit wurde der Kindergarten erweitert und das so genannte »Benefiziatenhaus«
gebaut. Neuer Pfarrer wurde Abros Buhleier. Er gestaltete 1966/67, im
Zuge der Liturgiereform des 2. Vatikanischen Konzils, den Chorraum um.
1971 wurde mit dem Bau des Pfarrheims begonnen. Es ist nach ihm benannt:
Ambrosiushaus. Pfarrer Buhleier verstarb 1973, erst 41jährig. Pfarrer
Leo Giegerich trat die Nachfolge an. Unter seiner Verantwortung wurden
die Schulden aus Chorumbau und Pfarrheimbau getilgt. Der Chor der Kirche
wurde 1981 wieder seinem ursprünglichen Aussehen angepasst, ein neuer
Hochaltar eingebaut und die 1988 vollendete Erweiterung der Orgel um ein
Schwellwerk vorbereitet. Pfarrer Giegerich übernahm 1987 die Pfarrei
in Weilbach. Sein Nachfolger ist der heutige Pfarrer Fridolin Helbig.
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