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Der älteste Teil unseres Dorfes schart sich um die
Kirche und umfasst die »Krommstraße« (1574), die Breite
Gasse, die Borngasse und die heutige Schulgasse. Zwar liegen aus dem Mittelalter
keine Urkunden dafür vor, aber Bodenfunde bei Erdbewegungen lassen
darauf schließen. Erst im 15. und 16. Jahrhundert griff das Dorf
auch auf die westliche Seite des Baches hinüber und dehnte sich nach
Nordosten zur heutigen Rathausgasse hin aus. Im 16. Jahrhundert gab man
der Dorfmauer ihre endgültige Form und Ausdehnung, welche dann bis
ins 20. Jahrhundert das Dorfbild bestimmte.
Das alte Pflaumheim hatte die Form eines Langrundes, dessen Längsachse
von Südwesten nach Nordosten lief. Bei der Errichtung der Dorfmauer
hatte man sie so weit angelegt, dass innerhalb derselben noch reichlich
Platz für Gärten und spätere Hausbauten blieb. Aus der
zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts stehen in Jahreszahlen an alten
Gebäuden und Mauern, in Urkunden und Einwohnerverzeichnissen genügend
Unterlagen zur Verfügung, um uns ein der Wirklichkeit nahe kommendes
Bild von unserem Dorf machen zu können.
Versetzen wir uns im Geiste in das Jahr 1575 zurück!
Pflaumheim liegt nicht an der Heerstraße. Während an Ostheim
die alte Straße Miltenberg-Obernburg-Babenhausen vorbeiführt,
geht an der Pflaumheimer Südwestseite nur ein einfacher Feldweg von
Ostheim nach Wenigumstadt. Als Verlängerung der Mühlhohl führt
der »Stadtweg« über die »Stadtbrücke«
den Tierbach entlang nach dem schon ausgestorbenen Ringheim, nach Ostheim
und Aschaffenburg.
Rings um das Dorf zieht eine etwa drei Meter hohe Dorfmauer. Teile davon
sind noch ziemlich neu. Erst 1563 hatte die Gemeinde einen Akkord über
den völligen Ausbau der Dorfmauer abgeschlossen. 1571 hatte man den
Schlussstein über die Kuhpforte gesetzt. (Leider ist dieser Akkord
von 1563, der 1860 noch in der Gemeinderegistratur aufgeführt wird,
verloren gegangen). An der Südwestseite führt vom Wehr aus ein
tiefer Flutgraben, der Kreis- oder Kraßgraben, die Mauer entlang
nach Norden. Er musste bei Hochwasser die überschüssigen Wassermassen
des Welzbaches aufnehmen, um Überschwemmungen im Dorf zu verhüten.
Auch an der Nordostecke berührt ein kleiner Flutgraben, der Fuß-
oder Fuxgraben, die Dorfmauer und mündet unterhalb des Dorfes in
den Bach. Bevor man das Dorf vergrößerte und die Dorfmauer
nach Nordosten hin erweitert hatte, war ein solcher Flutgraben in der
Gegend des heutigen Bachstelzengäßleins zum Bach gezogen. Die
Dorfmauer ist aus unregelmäßig geschichteten Steinquadern errichtet,
die die Pflaumheimer Steinkaute auf der Höhe gegen Mömlingen
geliefert hat. An der Südwestecke, wo der Bach in das Dorf eintritt,
springt die Mauer, die sonst alle Ecken vermeidet, spitzwinklig vor und
ist hier verstärkt und etwas erhöht. Tortürme besitzt Pflaumheim
nicht.
Wir
betreten das Dorf durch die Kuhpforte an der Südostseite. Der gewölbte
Durchlass ist so eng, dass ein Erntewagen kaum hindurch kommt. Der Schlussstein
des Torbogens trägt das Wappen des Mainzer Kurfürsten Daniel
Brendel von Homburg und die Jahreszahl 1571. Über dem Tor befindet
sich ein Torhäuschen, in welchem der Pförtner wohnt, der abends
die schweren eichenen Torflügel zu schließen und früh
wieder zu öffnen hat. Die Wohnhäuser sind meist einstöckig,
aus Fachwerk gebaut und mit Stroh gedeckt. Die rund achtzig Bauernanwesen
liegen zumeist im südöstlichen Teil des Dorfes, während
an der Rathausgasse und am Bach die Häuserfront noch große
Lücken aufweist. An der Dorfmauer entlang und im Timpel finden wir
überhaupt nur so genannte Kappesgärten. Mitten im Dorf auf die
Straße vorspringend, erhebt sich ein zweistöckiger, spitzgiebliger
Bau, das Rathaus. Das Untergeschoß ist offen und hat auf drei Seiten
gewölbte Durchlässe. Auch der Pranger oder Schandpfahl an der
Rathausecke fehlt nicht. Die Breite Gasse, die Hauptstraße des Dorfes,
schon mit unregelmäßigen Steinen gepflastert, führt uns
über den Bach zum zweiten Tore Pflaumheims, der Kreis- oder Kraßpforte.
Ein einziger offener Ziehbrunnen neben dem Rathaus versieht das Dorf mit
Trinkwasser. Von der höchsten Stelle des Dorfes blickt das gotische
Kirchlein mit seinem trutzigen, bis zur Spitze aus massivem Sandsteinmauerwerk
erbauten Turm. Das Gotteshaus besitzt nur einen einzigen Altar. Ein Glöckchen,
der heiligen Luzia geweiht, ruft die Gläubigen zum Gebet und zur
Kirche. Um die Kirche scharen sich die Gräber der Toten. Eine Schule
besitzt das Dorf nicht. Wer lesen und schreiben lernen will, geht nach
Ostheim.
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