| |
Bauern, Jäge
Steinmetze
Schneider
1. Bauern, Jäger
Bauern und Viehzüchter werden die ersten Siedler von Plumheim gewesen
sein, wobei die Bewirtschaftung der Felder, das Spinnen des Flachses und
Weben der Stoffe überwiegend Frauenarbeit gewesen sind und die Männer
sich mehr der Jagd widmeten.
Mit zunehmender Seßhaftigkeit mag sich auch die Häuslichkeit
der Männer entwickelt haben und der Ackerbau zum Haupterwerb geworden
sein. Dies alles ging sicherlich sehr langsam voran. So stürmische
und umwälzende Entwicklungen wie in unserem Jahrhundert hatte der
Mensch des ersten Jahrtausends n. Chr. nicht zuverkraften.
Jahrhunderte überwog in unserem Dorf die Landwirtschaft. In den meisten
Häusern wohnten Bauern, und in jedem Haus wurden Tiere gehalten,
die der täglichen Ernährung dienten. Wo der Grundbesitz für
Rinder, Kühe und Pferde nicht ausreichte, hatte man zumindest ein
Schlachtschwein, ein paar Ziegen und Hühner im Stall.
Es gab keinen Handwerker im Dorf', der nicht auch eine Landwirtschaft
betrieb, um seine Familie ernähren zu können. Wer keinen Handwerksberuf
erlernen konnte und wem der elterliche Grundbesitz für eine eigene
Landwirtschaft nicht ausreichte, verdingte sich als Bauernknecht, Bauernmagd
oder Tagelöhner.
Landwirtschaftlich geprägt war Pflaumheim noch bis über die
Mitte unseres Jahrhunderts hinaus. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg waren
die Bauern geradezu überlebenswichtig für das ganze Land. In
den Kriegs- und Nachkriegszeiten kamen die Städter in Scharen auf
die Bauerndörfer, um sich Kartoffeln, Getreide, Brot, Eier und Milch
zu erbetteln, teils um den eigenen Hunger zu stillen oder für Tauschzwecke
zu verwenden.
In den Aufbaujahren nach 1945 gehörten die Bauern von Pflaumheim
und Wenigumstadt zu den fortschrittlichsten am Untermain. Schon im Jahre
1953 beschlossen sie eine Flurbereinigung durchzuführen, die dann
1954 angeordnet wurde. Aus den 11900 kleinparzellierten Einlagegrundstücken
des 869 Hektar großen Pflaumheimer Flurbereinigungsgebietes wurden
1415 größere Ersatzflurstücke geschaffen. Drei Bauern
aus dem beengten Ortskern sind in den Gemarkungsteil »Weintal«
ausgesiedelt. Am Schollenrain wurde eine 13 Hektar große Obstanlage
mit rund 5000 Apfel- und Kernobstbäumen angelegt. Die Anlage wird
von etwa 145 in einem Bodenverband zusammengeschlossenen Anteilseignern
bewirtschaftet. Die Neuzuteilung der Grundstücke erfolgte 1958, endgültig
abgeschlossen wurde die Flurbereinigung im Oktober 1964. Die Kosten betrugen
über eine halbe Million Mark, wovon rund 45 Prozent durch Beihilfen
des Bundes und des Landes finanziert wurden. Für knapp ein Viertel
der Kosten konnte ein Bundesdarlehen in Anspruch genommen werden.
Trotz dieser großzügigen und fortschrittlichen Maßnahme,
die auf eine Bewirtschaftung mit modernsten Geräten ausgelegt war,
ist die Landwirtschaft heute bis auf vier Vollerwerbsbauern zusammengeschrumpft.
Selbst von den drei Aussiedlerhöfen dient nur noch einer seinem ursprünglichen
Zweck. Ein weiterer Aussiedlerhof ist erst später, außerhalb
des Flurbereinigungsverfahrens, im »Trieb« gebaut worden.
Er dient noch einem Vollerwerbslandwirt.
Seitenanfang
2. Steinmetze
Weithin bekannt waren die Pflaumheimer Steinmetze. Schon im
Mittelalter war der gemeindliche Sandsteinbruch in Betrieb, daneben gab
es noch einige private Steinbrüche. Ein Dutzend Steindenkmäler
und Bildstöcke im Ortsbereich und in der Flur geben davon Zeugnis.
Sie stammen alle aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. An diese Zeiten erinnern
auch eine Reihe von Bildhauerarbeiten an alten Häusern im Ortskern.
Zu hoher Blüte kam das Steinhauerhandwerk ab der Einwanderung der
Schuler aus Tirol nach 1700. Der berühmteste der drei Brüder
ist Johannes Schuler, der 1704 eine Pflaumheimerin heiratete und ein »Freund
der Architektur« gewesen war. Er entwarf und baute die Sandsteintreppe
zur Aschaffenburger Stiftskirche und war von 1724-1734, seinem Tode, Landschöff
von Pflaumheim. Sein Grabstein ist an der Westmauer des alten Friedhofes
eingelassen.
Pflaumheimer Steinmetze arbeiteten zu Zeiten Bismarcks im ganzen deutschen
Reich. So auch bei dem Bau des Reichstagsgebäudes in Berlin sowie
an Großbauten in Hamburg, Köln und anderen Orten.
Die Arbeitszeit war lang, der Lohn gering und der Durst infolge des Steinstaubes
groß, berichtet Schuck im Heimatbuch. Die meisten Steinhauer starben
daher mit 35 bis 50 Jahren, manche noch früher, an Lungenschwindsucht.
Seitenanfang
3. Schneider
Es folgte um die Jahrhundertwende die Schneiderei, die sich mit der Bekleidungsindustrie
im Aschaffenburger Raum entwickelte. Vereinzelt fingen die ersten Heimschneider
schon nach 1870 an. Sie arbeiteten für Frankfurter Kleiderfabriken
und wurden äußerst schlecht bezahlt.
Schuck schreibt darüber im Heimatbuch: »Der erste Pflaumheimer
Konfektionsschneider Johann Raab lud alle 14. Tage seine Arbeit auf einen
Schubkarren und schob sie nach Frankfurt. Nach anderthalb Tagen brachte
er einen Schubkarren voll neuer Arbeit mit. Später ging ein Fuhrwerk
allwöchentlich nach Frankfurt.«
Die Heimschneiderei breitete sich ab der Jahrhundertwende im Raum Aschaffenburg
rasant aus. Es gab regelrechte »Schneiderdörfer«, zu
denen auch Pflaumheim gehörte. Bis in die fünfziger Jahre gab
es ganze Schulklassen, von denen fast alle Buben den Schneiderberuf erlernten.
In den zwanziger, dreißiger Jahren und noch ein paar Jahrzehnte
nach dem Zweiten Weltkrieg boomte die Heimschneiderei geradezu. Schuck
berichtet in dem 1937 erschienenen Pflaumheimer Heimatbuch, daß
»alles, was in der Landwirtschaft abkömmlich war« sich
auf die Heimschneiderei verlegte. Junge Mädchen wurden zu Näherinnen
angelernt, und die ganze Familie mußte in der Werkstatt mithelfen.
Der Arbeitstag war lang, und oftmals ging es die Nacht hindurch. In den
dreißiger Jahren wurde in über 120 Schneiderwerkstätten
gearbeitet.
Es gab Großstückschneider, die nur Saccos und Mäntel fertigten,
und Kleinstückschneider für Hosen und Westen. Selbst die Großstückschneider
unterschieden sich noch in die, die sich auf Sportsaccos spezialisierten
und diejenigen, die nur edle Kammgarnstoffe verarbeiteten. Letztere zählten
sich allerdings zu den »besseren Schneidern«, wobei die anderen
ein leichteres Arbeiten hatten, mehr produzieren konnten und oft mehr
verdienten.
In der Konfektionsschneiderei bekamen die Heimschneider von den Kleiderfabriken
die fertig zugeschnittenen Teile geliefert, die Zutaten wurden dagegen
am Stück beigegeben. Durch geschicktes »Einrichten« konnten
die Schneider von den Futterstoffen und Garnen etwas erübrigen und
sich so einen kleinen Nebenverdienst erwirtschaften.
Unter den Heimschneidern gab es eine ganze Anzahl, die die Meisterprüfung
hatten und auch selbst Schnittmuster erstellen konnten. Die meisten waren
aber ohne abgeschlossene Prüfung, das aber beileibe nichts über
deren Können aussagt.
Die Schneiderei brachte Wohlstand ins Dorf. Es entstanden viele stattliche
Eigenheime. In den fünfziger Jahren entwickelten sich aus etlichen
Heimarbeiterwerkstätten sogenannte Betriebsstätten und Zwischenmeister.
Es wurden Leute eingestellt, und so mauserten sie sich mit den Jahren
zu Kleiderfabriken. Bis zu einem knappen Dutzend größere und
kleinere Betriebe gab es in diesen Jahren in Pflaumheim. Es gab neue Arbeitsplätze
für Einheimische und auch für Leute von auswärts.
Die Heimschneiderei ging zurück und ist inzwischen nahezu verschwunden.
Auch einige Kleiderfabriken haben infolge der Umstrukturierung in unserer
Zeit und die Verlagerung der Produktion in die Billiglohnländer im
Osten Europas und anderswo die Produktion aufgegeben.
In Pflaumheim gibt es längst keine »Traditionsberufe«
mehr. Die jungen Leute besuchen vorwiegend höhere Schulen, studieren
teilweise und erlernen moderne Berufe.
Seitenanfang
|
|