Die Erbauung der Annakapelle
Der Schneider im Wartturm
Das Hehmännchen
Die geheimnisvolle Schlange
Der unsichtbare Pflüger
Von der Hesselburg
Der Kesselflicker unter dem Rathaus

Die Erbauung der Annakapelle

Ursprünglich stand die Annakapelle an der Hockhohl. Wahrscheinlich hatte sich hier einmal etwas Besonderes zugetragen. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts musste Sie wegen Baufälligkeit abgebrochen werden. Auf Wunsch des Kronprinzen Ludwig sollte die neue Kapelle an der aussichtsreichsten Stelle errichtet werden. In Pflaumheim und Großostheim wurde eine Sammlung veranstaltet. Um den Bau rasch zu Ende zu führen, wurden mehrere Bauern aufgeboten, welche in einem Tag die benötigten Bausteine aus dem hiesigen Steinbrüchen anfuhren. Als jedoch am nächsten Morgen die Maurer mit der Arbeit beginnen wollten, befanden sich sämtliche Steine an der Stelle der alten Kapelle. Da die Leute den Kronprinzen fürchteten, schafften sie die Steine wieder an die Baustelle. Aber noch zweimal wanderten nächtlicherweile die Steine an die Abbruchstelle. Erst nach dem sie zum vierten Male zurückgebracht worden waren, hatte der Spuk ein Ende. Der Bau konnte begonnen werden.

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Der Schneider im Wartturm

In Pflaumheim war ein Schneider, der ging nicht nur mit Schere und Nadel um, sondern auch mit dem Stutzen und huschte gar manches Mal in den Wald, ein Reh zu wildern oder einen Hasen, dem er eins auf den Balg brannte, und sich hernach am schmackhaften Braten gütlich tat. Einmal trieb er sich wieder mit dem Schießeisen im Pflaumheimer Wald einher, hatte auch einen feisten Rehbock erlegt und wollte ihn nun in den Busch schleppen. Da rief eine Stimme plötzlich „Halt, Bursche!“ und wie sich der Schneider erschrocken umwandte, stand er dem Ritter der Hesselburg gegenüber. Der Ritter ließ den Wildschütz ergreifen und in den Wartturm sperren; zur Strafe sollte der Schneider so lange darin bleiben, bis er das gefrevelte Wild mit Haut und Haaren verzehrt hätte. Doch das Schneiderlein fand ein Mittel zu seiner Rettung. Es hatte glücklicherweise die Schere einstecken und zerschnitt damit das Rehbocksfell in lauter schmale Streifen. Die band er alsdann zu einem Seil zusammen, das von der Turmstube bis zur Erde reichte. Der Schneider ließ sich an dem Seil hinunter, gelang ohne Schaden auf den Boden, entfloh und brachte sich jenseits des Rheines in Sicherheit.
Er konnte erst nach einer reihe von Jahren wieder heimkehren, nachdem der Ritter von der Hesselburg gestorben war.
Zum Andenken an die damalige Rettung, die mit hilfe einer Schere gelang, veranlasste der Schneider, das nächst dem Dorf ein Bildstock errichtet wurde mit einer Schere daran. Und der Bildstock steht heute noch an der Wegscheide nach Wenigumstadt.

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Das Hehmännchen

Um den Pflaumheimer Wald spinnen sich verschiedene Sagen. Die bekannteste von ihnen ist die Geschichte vom Hehmännchen. In dem großen Streit, der einst wegen des Landes Orlis zwischen Pflaumheim und dem Zent Ostheim entbrannt war, ging in dunkler Winternacht ein Vierrichter hinaus in das umstrittene Waldstück und versetzte den Grenzstein, nicht achtend seines heiligen Eides. Nach seinem Tode ereiferte ihn die Straße. Seine eidbrüchige Seele fand keine Ruhe. Im Advent vor dem Tagläuten geistert sie im Land Orlis herum. Schwer schleppt der verwünschte Vierrichter an einem Stein und ruft jeden, der in die Nähe kommt an: „Hei, wo soll ich den Stein hinsetzen?“ Aber noch keiner gab ihm die erlösende Antwort: Wo du ihn geholt hast! Andere sahen das Hehmännchen als feurigen Mann auf dem Dreimärker zwischen den Markungen Niedernbergs, Pflaumheims und Mömlingens hocken. Wieder andere beobachteten, wie die Spukgestalt mit einer Laterne und einer Hacke verzweifelt nach dem verrückten Stein suchte.

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Die geheimnisvolle Schlange

Im dichten Farngrund bemerkte ein Jäger einstens an einer Eiche etwas Sonderbares. Von weitem sah es aus, als ob eine schillernde Schlingpflanze den Stam umwunden habe. Neugierig trat der Forstmann hinzu, aber entsetzt fuhr er zurück; denn er erkannte, das eine riesige Schlange mit einer gefiederten Krone auf dem Haupt den Baum umschlungen hielt. Voller furcht eilte er in Dorf und meldete sein Erlebnis. Niemand konnte sich erinnern, je davon gehört zu haben. Nur auf dem Rathaus fand man eine alte Schrift, welche berichtete, das vor hundert Jahren an derselben Stelle die gleiche unheimliche Schlange beobachtet worden war. Alt und jung eilten in den Farngrund, allein die Schlange war und blieb verschwunden.

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Der unsichtbare Pflüger

Vor langer Zeit war die Gottlosigkeit auch im Bachgau verbreitet. Viele frevelten wieder Gottes Gebot und missachteten den Tag des Herrn. Da unternahm es einer der größten Spötter am Dreifaltigkeitssonntag, dem höchsten Fest der Christenheit, aufs Feld zu fahren. Auf die Vorhalten seiner Nachbarn hatte er nur frechen Spott und gotteslästerliche Flüche. In der nähe des Annahäuschens pflügte er mit zwei Schimmeln, während in der Kirche das Hochamt gefeiert wurde.
Erst nach seinem Tode sollte die Freveltat geahndet werden. Alljährlich am Morgen des Dreifaltigkeitsfestes muss er auf dem Feld der Annakapelle pflügen. Wenn man während des Hochamtes an diese Stelle kommt, so hört man deutlich das scharren des Pfluges, das Stampfen und Schnauben der Pferde, das Hü und Hott des Bauern. Doch zu sehen ist nichts. Jeder aber, der das gespenstige Gespann auf sich zukommen hört, flieht entsetzt die verwunschene Stätte.

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Von der Hesselburg

An der Südecke der Pflaumheimer Markung liegen die „Schlossäcker“. Hier erhob sich, so weiß die Sage zu berichten, eine stattliche Burg, die Hesselburg. Die Grafen von Berbach verwalteten von hier aus die Dörfer des Bachgaues. Von der Burg aus konnte man im Süden die Mauern der Breuburg erblicken. Die beiden Burgen verband ein unterirdischer Gang. Längst ist die Hesselburg in Schutt und Asche gesunken. Der Pflug des Bauern geht über die Stelle und stößt ab und zu noch einen Quader der Grundmauern. Nachts jedoch ist es hier nicht geheuer. Einst ging ein Bauer spät in der Nacht über die Schlossäcker. Ein Lichtschein zwischen den Saatfeldern lockte ihn näher. Da öffnete sich vor seinen Augen ein uraltes Kellergewölbe und in der Tiefe werkten Männer in altertümlichen Gewändern. In einem riesigen Ofen buken Sie Brot. Voller Schreck eilte der Bauer nach hause. Als er anderntags an die Stelle kam, war nichts mehr von dem nächtlichen Spuk zu sehen.
Andere sahen schon zu nächtlicher Stunde einen feurigen Reiter ohne um die Schlossäcker herumsprengen.

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Der Kesselflicker unter dem Rathaus

Einst kam ein Pfannenflicker nach Pflaumheim. Unten im offenen Rathaus zündete er ein Holzkohlenfeuer an und besserte hier, vor dem Regen geschützt, die schadhaften Kupfer, Zinn und Eisengeräte der Pflaumheimer Hausfrauen aus. Abends deckte er die Kohlenglut sorgsam mit Asche zu und erhielt sie so bis zum nächsten Morgen. Denn mit Stahl, Zunder und Feuerstein ging das Feuermachen nicht so mühelos wie heutzutage mit Streichhölzern.
Im benachbarten Haus, Nr. 125, wohnte ein vermögender Bauer. Mitten in der Nacht wachte seine Dienstmagd vom schlafe auf. Draußen war es so hell. Erschreckt rannte sie in die Küche; denn sie glaubte verschlafen zu haben. Zu allem Unglück war auch noch die Glut aus ihrem Herd erloschen. Da fiel ihr der Kesselflicker ein. Mit einer Schaufel holte sie rasch etwas Glut und schüttete sie auf ihre Feuerstätte. Da schlug es vom nahen Kirchturm: Es war ein Uhr. Das helle Vollmondlicht hatte die Magd getäuscht. Erleichtert eilte sie ins Bett zurück.
Als sie am Morgen nach dem Feuer sah, waren die wenigen Köhlchen zu Gold geworden. Sie rannte an das Rathaus, noch mehr des Schatzes zu holen. Allein sie fand nur noch Asche. Auch der Kesselflicker war schon längst über alle Berge.

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